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Klassische Musik und Oper von Classissima

Johann Sebastian Bach

Mittwoch 7. Dezember 2016


nmz - KIZ-Nachrichten

7. November

Hessischer Kulturpreis an Andreas Scholl und Tamar Halperin verliehen

nmz - KIZ-Nachrichten Wiesbaden - Der Countertenor Andreas Scholl und die Pianistin Tamar Halperin sind mit dem Hessischen Kulturpreis 2016 ausgezeichnet worden. Das teilte die Staatskanzlei in Wiesbaden mit. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erklärte, das deutsch-israelische Ehepaar aus Kiedrich im Rheingau trage mit seinem internationalen Ansehen als Botschafter für Hessen zum guten Ruf des Landes bei. Der Preis ist mit 45 000 Euro der höchstdotierte Kulturpreis der Bundesrepublik, wie die Staatskanzlei mitteilte. Scholl kam 1967 in Eltville im Rheingau zur Welt. Er wurde an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel in der Schweiz ausgebildet und arbeitet dort heute als Dozent. Halperin wurde 1976 in Israel geboren und studierte in Tel Aviv, Basel und New York. 2009 promovierte sie über Johann Sebastian Bach. Ihr Repertoire umfasst den Angaben zufolge Musik aus fünf Jahrhunderten. Weiterlesen

ouverture

gestern

Reincken: Harpsichord Music (MDG)

Johann Adam Reincken (1643 bis 1722) stammte aus dem nieder- ländischen Deventer. Er war ein Schüler des Hamburger Organisten Heinrich Scheidemann, dessen Amtsnachfolger an der Katharinen- kirche er 1663 wurde. Insbesondere für seine Improvisationskunst war Reincken so berühmt, dass der 16jährige Johann Sebastian Bach von Lüneburg aus zu Fuß bis in die Hansestadt reiste, um den Meister zu hören.  Was die Organisten nicht nur der Norddeutschen Orgelschule seinerzeit wirklich gespielt haben, davon kann man sich heute nur noch schwer ein Bild machen, denn seinerzeit wurde wesentlich mehr improvisiert als heute. So nutzten die Musiker unter anderem die Vor- und Nachspiele zu den Gottesdiensten und auch die Präludien zu Kirchenliedern, um ihre Fingerfertigkeit und ihre musikalischen Fähigkeiten zu demonstrieren. Aufgeschrieben wurden Orgelstücke nur selten.  Diese CD öffnet ein Fenster in eine erstaunliche Klangwelt; vor allem die Toccaten lassen ahnen, wie kunstvoll Reincken einst improvisiert hat. Beim ersten Hören wirken sie wie impulsives Stegreifspiel – doch dann wird offenbar, mit welcher Raffinesse die Strukturen dieser Werke gestaltet worden sind.  Sonja Kemnitzer spielt auf einem Cembalo, das Lutz Werum 1998 nach einem Instrument von Johannes Ruckers aus dem Jahre 1624 angefertigt hat. Sie musiziert schwungvoll und virtuos, dabei aber zugleich immer durchdacht und präzise. Ob tänzerisch oder gravitätisch – Sonja Kemnitzer hat einen geradezu traumwandlerischen Sinn für Tempi und Affekte. So kommt auch in den Suiten keine Langeweile auf. Ein ganz besonderes Kabinettstück aber ist die Partita diverse sopra l'aria Schweiget mir vom Weiber nehmen; der Text, der auch andere Musiker wie Froberger inspiriert hat, findet sich im Beiheft abgedruckt. Man staune: Reincken hat mit Witz und einer schier überschäumenden Phantasie gleich 18 (!) Variationen über den Gassenhauer geschrieben, der auf recht drastische Weise das Lob des Junggesellendaseins singt. 




Crescendo

gestern

Zum Schmelzen: Alison Balsom - Alison Balsom

Seit Alison Balsom mit einem James-Bond-Regisseur liiert ist, interessiert sich plötzlich auch der Boulevard für die Trompeterin. Dabei ist sie in der Klassikszene schon lange der Inbegriff einer neuen, sehr selbstbewussten Künstlergeneration. Wie relativ ist doch Berühmtsein. Anfang Oktober dichtete die englische Boulevardzeitung Daily Mail: „Winslet’s ex Mendes falls for Trumpet Crumpet.“ Sinngemäß – und halbwegs salonfähig ausgedrückt – heißt das ungefähr: „Winslets Ex-Mann Mendes verknallt sich in heiße Trompeterin.“ Winslet ist natürlich die Hollywoodschauspielerin Kate Winslet, der Regisseur Sam Mendes, um den es geht, taucht immerhin namentlich auf – doch wer nun die bewusste Trompeterin ist, verrät die Überschrift nicht. Dabei ist die Engländerin Alison Balsom selbst ein Star, sie räumt vom ECHO Klassik bis zum Gramophone Award regelmäßig die begehrtesten Auszeichnungen ab. Aber sie ist eben ein Star der Klassikwelt. Und die, das beweist die Schlagzeile der Daily Mail einmal mehr, ist im Boulevard zum Glück noch eine Nische. Balsom tut das Ihrige dazu, das zu ändern. Wenige Interpreten sind so unermüdlich als Botschafter ihres Instruments unterwegs wie sie. Die 38-Jährige spielt barockes Repertoire genauso engagiert, wie sie zeitgenössische Werke uraufführt. Zugleich hat sie keine Scheu, die Tempel der Hochkultur zu verlassen. Neben ihrem Pensum an herkömmlichen Konzerten, zehn pro Monat sind keine Seltenheit, absolviert sie auch Auftritte vor dem ganz breiten Publikum. Sie war bei der Londoner „Last Night of the Proms“ und der „The Late Show with David Letterman“ zu Gast, ihre YouTube-Clips sind kaum zu zählen, die Nutzerkommentare euphorisch. „Schön, intelligent und mit einem Lächeln, das das Herz zum Schmelzen bringt“, seufzt einer. „Sie ist einfach wunderbar.“ Mit anderen Worten: Balsom ist die ideale Projektionsfläche, ein Glücksfall für jede Marketingabteilung. Entsprechend werden ihre grazile Gestalt und ihr Mädchengesicht für jede ihrer CD-Produktionen inszeniert: Balsom dramatisch in großer Robe, Balsom cool in alten Jeans, Balsom androgyn im Hosenanzug. Ein Vollprofi auch in der Außendarstellung. Zum Gespräch in einem Hamburger Hotel erscheint sie perfekt geschminkt in herbstlich dezenter Kleidung. Sie ist mal eben für einen Tag von London hergeflogen. Ihren sechsjährigen Sohn hat sie vorher noch zur Schule gebracht, aber von Hetze oder Müdigkeit ist ihr nichts anzumerken. Sie setzt sich, bestellt mit leiser Stimme ein Glas Wasser und ist spürbar ganz da, ganz im Moment. Hört zu und denkt nach, bevor sie antwortet, anstatt Standardsätze abzuspulen. Die durchgestylten, platinblonden Hochglanzbilder sind bald vergessen. Balsom spricht über ihr Instrument wie über einen guten Freund: voller Liebe und mit einer Detailkenntnis, die längst nicht bei jedem Musiker anzutreffen ist. „Die moderne Trompete steckt immer noch in den Kinderschuhen“, sagt sie. „Unsere Aufführungstradition reicht sehr kurz zurück. Wir haben keinen Paganini wie die Geiger.“ Und dann schwärmt sie von Kollegen wie Reinhold Friedrich oder Tine Thing Helseth: „Es gibt so viele Arten, Trompete zu spielen!“ Jeder glaubt, die Trompete zu kennen. Doch wenn Balsom davon erzählt, tun sich Welten auf. Maurice André nennt sie einen Pionier, er habe die Piccolotrompete überhaupt erst bekannt gemacht. Mit Hingabe schildert sie die unterschiedlichsten Modelle, erklärt Züge, Klappen und Löcher, die klanglichen Eigenheiten großer und kleiner Instrumente und die Bedeutung der modernen Pumpventile, die im frühen 19. Jahrhundert in Paris erfunden wurden. Eine Kostprobe dieser Vielfalt bietet die jüngste CD „Jubilo“. Balsom feiert, jahreszeitlich passend, die Barockzeit mit Werken von Bach, Corelli, Torelli und Fasch. „Ich wollte den Glanz der Epoche hörbar machen“, sagt sie. „Sie war das goldene Zeitalter der Trompete.“ Dazu hat sie einen illustren Kreis von Mitstreitern versammelt: Stephen Cleobury leitet den Choir of King’s College Cambridge und begleitet Balsom, die auf der modernen Trompete Bach-Choräle und Choralvorspiele spielt, an der Orgel der Kapelle des King’s College. Für das Musizieren mit der Academy of Ancient Music unter Pavlo Beznosiuk verwendet Balsom die im Barock übliche Naturtrompete. Man muss den Wechsel zwischen historischem und modernem Instrumentarium und die Wahl unterschiedlicher Stimmtonhöhen dramaturgisch nicht für gelungen halten, aber erhellend ist es allemal, was Balsom sich dabei gedacht hat. Etwa, dass sie die Sekundschritte in Melodiestimmen der Bach-Choräle mit der Naturtrompete schlicht nicht hätte spielen können. Das Instrument hat eben nicht mehr Töne als die Naturtonreihe, und das sind in der Gegend um den Kammerton A herum nur einige, für unsere Ohren obendrein häufig unsauber klingende. Erst in höheren Lagen kann die Naturtrompete auch diatonisch spielen. Das ist der Grund, weshalb das barocke Solorepertoire so hoch liegt. Für die Zeitgenossen war es höchst anspruchsvoll. Die wenigen guten Spieler genossen gesellschaftliche Anerkennung weit über ihre Zunft hinaus. Es braucht eine perfekte Beherrschung der Lippenspannung, um die eng benachbarten Naturtöne zu erwischen und bei Bedarf die Intonation auszugleichen. Der Lohn der Mühe ist ein farbiger Klang, der der menschlichen Stimme näher ist als der Klang der modernen Trompete. „Ich liebe diese Variabilität“, sagt Balsom. „Mit der Naturtrompete kann ich mich ins Ensemble mischen.“ Balsom verfügt über eine ganze Palette an Ausdrucksnuancen und intimeren Klangschattierungen. Sie gehört einer Generation von Trompetern an, die nicht mehr ausschließlich dem metallischheroischen Klangideal huldigen. Die Trompete kann eben auch anders, mag ihr auch spätestens seit ihrem biblischen Auftritt auf dem Schlachtfeld vor Jericho der Ruf eines Kriegsinstruments anhängen. Balsoms Neugier und stilistische Offenheit kommen nicht von ungefähr. Ihr Lehrer am Pariser Conservatoire war der Schwede Håkan Hardenberger, der mit seinem wandlungsfähigen Spiel und zahlreichen Kompositionsaufträgen den Imagewandel der Trompete mit herbeigeführt hat. Eine zierliche Frau an einem über Jahrhunderte männlich konnotierten Instrument, auch das dürfte zu Balsoms Erfolg beigetragen haben. Doch so mädchenhaft sie auf der Bühne lächelt, für eine Karriere wie die ihre braucht es Stehvermögen. Balsom weiß genau, wie viel sie von sich preisgibt – oder wie wenig. Dass ihr neuer Lebensgefährte Sam Mendes auf einem anderen künstlerischen Gebiet arbeitet – die meisten dürften ihn als Regisseur zweier James-Bond-Filme kennen –, findet sie nicht weiter bemerkenswert: „Ich liebe viele Kunstformen. Kreative Leute haben sich immer etwas zu sagen.“ Mehr verrät sie nicht über die Liaison. Es geht hier schließlich um die Trompete, und wir sind nicht der Boulevard. Verena Fischer-Zernin Alison Balsom Live auf Jubilo Tour 12.12.: Osnabrück, Europa-Saal 13.12.: Nürnberg, Meistersingerhalle 14.12.: Hamburg, Laeiszhalle 16.12.: Braunschweig, Stadthalle 17.12.: Hannover, NDR Landesfunkhaus 18.12.: Düsseldorf, Tonhalle Aktuelle CD: „Jubilo“ Bach, Corelli, Torelli, Fasch (Warner)

Crescendo

gestern

Lobet den Gesang! - Martin Luther

Martin Luther hat jedem Menschen eine Stimme gegeben. Die Musik war für ihn so wichtig wie der Buchdruck. Ein Erbe, das wir nicht aus der Hand geben sollten. Was sagt es eigentlich über die Musik in der Kirche aus, wenn – wie neulich in Malmö – der Papst, ein katholischer Kardinal und zwei protestantische Pfarrer im weißen Golf-Car vorfahren, um Martin Luther zu ehren und aus den Boxen der Song You’ll Never Walk Alone gespielt wird? Zugegeben, Rodgers & Hammerstein ist damit ein Gänsehaut-Stück gelungen, aber es macht schon in unseren Fußballstadien wenig Sinn, etwa wenn Dortmund-Fans ihrem Verein auch in der Krise Treue schwören. Als Soundtrack der Ökumene, in der Katholiken und Protestanten Seite an Seite marschieren wollen, wirkt er fast absurd. Denn im Original, dem Musical Carousel, geht es eigentlich um eine schwangere Frau, der Trost versprochen wird, weil ihr Mann gestorben ist. Es scheint aber auch nicht ganz leicht zu sein, Musik für das Miteinander der christlichen Konfessionen zu finden. Irgendwie scheinen jene Zeiten noch nicht überwunden zu sein, in denen die Kirchentrennung auch die Trennung des liturgischen Soundtracks bedeutete. Während die Protestanten Bach spielten, wurde in katholischen Kirchen Mozart gespielt. Und tatsächlich gibt es Historiker, die behaupten, dass der Gesang für den Protestantismus mindestens so bedeutend war wie die Erfindung des Buchdrucks. Schließlich haben sich die großen protestantischen Komponisten immer auch der Philosophie Luthers verschrieben: deutsche Texte, eine musikalische Durchdringung der biblischen Geschichte – und vor allen Dingen: Jedes Gemeindeglied bekam eine eigene Stimme. Luther selbst wusste um die emotionale Bedeutung der Musik für die Messe und für die Massen. Lieder wie Ein’ feste Burg ist unser Gott wurden, wie Heinrich Heine es formulierte, zur „Marseiller Hymne der Reformation“, zu Revolutionsliedern, hinter denen sich die Ablassgegner im Namen Gottes vereinten. Die Musik war eine wesentliche Säule in der Propaganda der Kirchenspaltung, ein Distinktionsmerkmal zwischen protestierenden Protestanten und konventionellen Katholiken. Egal, ob wir Johann Walter, den Urvater der protestantischen Musik, dessen Chorgesangbuch die Ideen Luthers in die Gemeinden trug, nehmen, Michael Praetorius, der für Herzog Heinrich Julius von Braunschweig Luther-Lieder vertonte, ob wir Heinrich Schütz verehren oder Johann Sebastian Bach, der ausgerechnet mit seiner Johannes-Passion ein Meisterwerk protestantischer Musik schuf und den Satz von Luthers Tischreden in Klang übersetzte, wonach „die Noten den Text lebendig machen“ – für sie alle war die Musik nicht allein der Geist der Kirche, sondern auch die Illustration des Fleisches Jesu und Klang-Kitt im Glauben an das Gute, Schöne und Hehre. Es dauerte Jahrhunderte, bis wenigstens die musikalische Ökumene besiegelt war. Bereits in seinem Büchlein „Aus dem Geiste der Liturgie“ machte der damalige Bischof Joseph Ratzinger keinen Unterschied mehr zwischen dem Katholiken Mozart und dem Protestanten Bach – beide, so der spätere Papst, seien für ihn eine Art Gottesbeweis und ihre Musik die Möglichkeit, einen direkten Draht zum Herrn aufzunehmen. Das Musizieren, so Ratzinger, sei eine Form des Gebetes, der Kommunikation mit Gott. Ob dieser Gott nun protestantisch oder katholisch sei, spielte für ihn zunächst keine Rolle – Hauptsache, Gott werde Klang. Und damit war Ratzinger vollkommen auf der Linie Luthers, der bereits sagte: „Der Teufel braucht nicht alle schönen Melodien für sich.“ Vielleicht ist es eine Frage der Zeit, bis dieser Pragmatismus des Schönen auch als Grundlage für ein gemeinsames Abendmahl dienen kann. Und dennoch unterschied Ratzinger die Musik durchaus in Kompositionen des Himmels und der Hölle: Während das Barock und die Klassik für ihn einen direkten Draht nach oben darstellen, weil sie uns zur Besinnung führen, verabscheut er Rock und Pop als musikalische Formen der Zerstreuung und der Ablenkung. Es ist spannend, zu sehen, wie in der Kirche noch immer um Musik gestritten wird, während die Geistlichkeit des Klangs in einer aufgeklärten Gesellschaft immer weniger Bedeutung zu haben scheint. Einer der spannendsten Interpreten Bachscher Musik ist sicherlich der Organist Cameron Carpenter – ein ausgesprochener und kämpferischer Agnostiker. Für ihn ist die Orgel schon lange kein Instrument mehr, das die Allmacht Gottes verkörpert, sondern lediglich eine perfekte Maschine, die nötig ist, um den perfekten Klang zu erzeugen. „Es mag sein“, sagt Carpenter, „dass der Glaube Bach inspiriert hat, aber letztlich ist alles, was wir heute haben, seine Noten – und die sind auch jenseits der biblischen Botschaft deutbar.“ Das Orgelspiel ist für Carpenter kein Gottesdienst, sondern eine postmoderne Show, in der Mensch und Maschine miteinander verwachsen. Allein daran, aber auch daran, dass Protestanten und Katholiken sich zur Feier Luthers ausgerechnet auf ein Musical verständigen, lässt sich erkennen, dass die Bedeutung und die einst selbstverständliche Zuordnung der Musik zu einer Konfession heute keine gesellschaftliche Bedeutung mehr haben. Ist die Musik also willkürlich geworden, kann sich jeder den Klang zu Eigen machen? Ist an der aktuellen Bedeutung und der Lesart der Musik nur der Zustand unserer Welt, die in viele Einzelgruppen zerfallen ist, abzulesen? Sicher nicht! Martin Luthers Idee der Musik als Sinnstiftung für die Massen und als Identifikation des Einzelnen mit einer Gruppe ist heute so aktuell wie je. Das einzige Problem: Diese Erkenntnis wird inzwischen auch von jenen genutzt, denen es nicht unbedingt um das Gute, um das Humanistische, um die Menschenliebe und die Liebe zu allen Menschen geht, so wie Jesus sie predigte. Es ist schon absurd, wenn ausgerechnet Gruppen wie Pegida sich versammeln, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen und damit die Werte des „christlichen Abendlandes“ hochhalten wollen. Ausgerechnet die Rechte beruft sich dabei auf eine im Grunde lutherische Idee: Die Ungehörten, jeder Einzelne, sollen eine eigene Stimme bekommen. Dass die Umsetzung der protestantischen Idee widerspricht, stört die Rechte wenig: Ihr Chorgesang auf den Plätzen in Dresden ist nicht der Gesang individueller Geister, sondern der Wutgesang einer Masse, deren Chorleiter den Weg diktiert – die Weihnachtslieder der Pegida haben vielleicht christlichen Ursprung, sind aber ein Verrat an ihrer christlichen Idee. Es ist viel über Angela Merkel gelacht worden, darüber, dass sie in einer Rede sagte: „Man muss ja nun wirklich nicht zu Pegida und AfD gehen, um christliche Weihnachtslieder singen zu dürfen.“ Merkel fragte zu Recht: „Wie viele von uns tun denn das noch auf den Weihnachtsfeiern unserer Kreisverbände? Und wo läuft (statt christlicher Lieder) irgendein Tammtammtamm oder Schneeflöckchen, Weißröckchen? All das erinnert ein bisschen an den alten Ratzinger, für den Helene Fischer vielleicht ebenfalls aus der Hölle kommt. Aber Merkel fragt durchaus zu Recht: „Wie viele christliche Weihnachtslieder bringen wir denn unseren Kindern und Enkeln bei?“ Ihre Befürchtung ist, dass uns durch den Verlust unserer christlichen Tradition auch „ein Stück Heimat verloren geht“. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Christentum gehört, egal, ob wir glauben oder nicht, zu unserer Tradition, hat unsere Kultur und unsere Moral geprägt – Bach ebenso wie Mozart, Luther ebenso wie der Papst. Und Merkel hat nicht ganz Unrecht, wenn sie beobachtet, dass derzeit ausgerechnet Menschen mit weitgehend unchristlichem Hintergrund (Menschen, die Menschenrechte allein auf Deutsche beziehen, bei denen Mitmenschlichkeit stets in nationalen, ethischen und geografischen Grenzen gedacht wird) Luthers Idee des gemeinsamen Singens kapern. Hier wäre es auch an der Zeit, dass sich die Kirchen selbst mit der Bedeutung der Musik und ihrer Tradition auseinandersetzen. Sicher, noch immer singen über 800.000 Menschen in über 30.000 Kirchenchören. Gleichzeitig aber steckt die Kirchenmusik in einer Krise: Kantoren, Organisten und andere Kirchenmusiker müssen inzwischen oft mehrere Gemeinden parallel betreuen; während vor 20 Jahren noch 85 Prozent der Kirchenmusikstellen Vollzeitstellen waren, sind es heute nur noch 40 Prozent, sowohl an der Spitze der sogenannten A-Stellen als auch in der breiten Masse, dort, wo besonders viele Menschen in den Gemeinden mit Musik in Berührung kommen würden, wird gespart. Die Verflachung der musikalischen Qualität ist gerade in protestantischen Gottesdiensten zu beobachten, und es ist erschreckend, dass die Kirchen, die einst Horte für Uraufführungen waren, Orte, an denen nach dem Klang unserer Zeit geforscht wurde, heute lieber Popsongs auf Gitarre zupfen. Mit Ausnahme von Penderecki, Pärt und Gubaidulina sind in den letzten Jahren kaum wegweisende Kompositionen entstanden. Kein Wunder, dass Kirchen, die so sträflich mit ihrer eigenen Tradition umgehen, für einen Festakt der Ökumene nichts anderes einfällt als You’ll Never Walk Alone! Wenn wir in diesen Wochen und Monaten also nicht nur das Weihnachtsfest begehen, sondern auch den Geburtstag Luthers feiern, könnte das Anlass sein, dass wir die Bedeutung der Musik wieder ins Zentrum christlicher, aber auch gesellschaftlicher Werte rücken: Luther hat erkannt, dass das gemeinsame Singen eine Möglichkeit ist, jedem Menschen eine Stimme zu geben. Bereits vor Jahrzehnten haben die christlichen Konfessionen festgestellt, dass Musik – egal, ob sie von Bach oder Mozart stammt – Einheit stiften kann, und ja: Selbst für Atheisten und Agnostiker spielt christliche Musik zumindest eine traditionelle Rolle. Angela Merkel hat Recht: All das sollten wir uns nicht von anderen aus den Händen nehmen lassen. Musik bedeutet Menschlichkeit – und es ist christlicher und nicht-christlicher Auftrag, mit diesem Erbe verantwortungsvoll, demokratisch und humanistisch umzugehen. Axel Brüggemann



Johann Sebastian Bach
(1685 – 1750)

Johann Sebastian Bach ( 21. Märzjul 1685 - 28. Juli 1750) war ein deutscher Komponist sowie Orgel- und Klaviervirtuose des Barock. Er gilt heute als einer der bekanntesten und bedeutendsten Tonschöpfer, dessen Musik spätere Komponisten wesentlich beeinflusst hat und dessen Werke auch in zahllosen Bearbeitungen präsent sind. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gehören seine Werke weltweit zum festen Repertoire der klassischen Musik. Zu Lebzeiten wurde Bach als Virtuose, Organist und Orgelinspektor hochgeschätzt, allerdings waren seine Kompositionen nur einem relativ kleinen Kreis von Musikkennern bekannt. Nach Bachs Tod gerieten seine Werke jahrzehntelang in Vergessenheit und wurden kaum noch öffentlich aufgeführt. Nachdem die Komponisten der Wiener Klassik sich mit Teilen von Bachs Werk auseinanderzusetzen begannen, setzte mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion unter Leitung von Felix Mendelssohn im Jahre 1829 die Wiederentdeckung Bachs in der breiten Öffentlichkeit ein.



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